Klaus Abberger ist der Mann hinter den Kandidaten

Südkurier, 2013

Er agiert im Schatten: Bürgermeister-Anwärter setzen auf den Rat des 46-jährigen Rottenburgers. Zahlreiche Rathaus-Chefs im Südwesten haben sich in ihren Wahlkämpfen von dem gelernten Journalisten betreuen lassen – zuletzt der Donaueschinger Kulturamtsleiter und neue Bürgermeister von Markdorf Georg Riedmann.

Von Helmar Grupp

Ratzenried ist ein beschauliches Fleckchen Allgäu: Rechter Hand der Dorfstraße erhebt sich die mächtige Kirche St. Georg, links am Eck bietet das Gasthaus „Ochsen“ gutbürgerliche Küche und angrenzend geht es am Biergarten vorbei zum „Wahlbüro 7“. In dem 1300 Einwohner zählenden Teilort von Argenbühl (Landkreis Ravensburg) hat Klaus Abberger seine zweite Dependance. Dort werden also die Bürgermeister gemacht. Abberger, schlank und hochgewachsen, mit gepflegt zurückgekämmten, langen Haaren, gefällt diese Formulierung überhaupt nicht. „Ein guter Berater kann bis zu zehn Prozent bringen, für die restlichen 40 Prozent der Stimmen ist der Kandidat zuständig“, sagt der 46-Jährige, der damit wirbt, alle Wahltermine der 1101 Kommunen des Landes zu kennen und jenen, die zu ihm kommen, um Bürgermeister zu werden, diskret ihr „ureigenes, unverkennbares Profil“ zu schärfen. Rund 20 „Schnuppergespräche“ mit potenziellen Bewerbern führe er im Jahr und zehn bis zwölf Wahlen steuere er an. Doch nicht immer steigt er mit seinen Schützlingen auch in den Wahlkampf ein. Zuweilen passen Kandidat und Kommune doch nicht zueinander. „Man entwickelt ein Gespür dafür, Leute und Situationen zu taxieren“, sagt Abberger, „und manchmal ist es dann am besten, erst gar nicht anzutreten.“ Steigt er mit einem Kandidaten ein, darf dieser sich eine fast 70-prozentige Erfolgschance ausrechnen. „Zwei von drei Schützlingen gewinnen ihre Wahl“, lautet Abbergers selbstbewusste Losung.

Die, betont er, könne er mit Fakten belegen. Einer, der auf ihn vertraut hat, ist Georg Riedmann. Im Juni wurde der Donaueschinger Kulturamtsleiter zum neuen Markdorfer Bürgermeister gewählt. Abbergers Begleitung im Wahlkampf sei ihm die zentrale Hilfestellung gewesen. „Ich würde es in jedem Fall wieder so machen“, sagt er.

Was aber ist das Erfolgsrezept des Rottenburgers, der einst als Zeitungsredakteur im Schwarzwald noch auf der Seite des Beobachters stand? Für Riedmann hat Abberger Flyer und Plakate entworfen, an Reden gefeilt, mit ihm Statements abgestimmt und ihm Tipps gegeben zu Auftreten, Habitus und Themen. Doch das sei nur die eine Seite, sagt Abberger. Auf die „Strategie“ komme es an und darauf, sie auch spontan anpassen zu können. Denn: „Jeder für sich ist wählbar, sein Problem beginnt erst dann, wenn jemand anderes kommt, der ebenfalls wählbar ist.“

Die multimedial beschleunigte und durchleuchtete Gegenwart verzeiht Politikern selbst kleine Fehler nicht mehr und sie verlangt von ihnen die Wandlungsfähigkeit und die Aura von guten Schauspielern. Diese Konstellation spielt den Politikerberatern in die Hände. Aber braucht die Gesellschaft sie deshalb tatsächlich? „Natürlich“, sagt Abberger. „Oder denken Sie, Angela Merkel kommt ohne ihre Zettel aus?“ An einen Politiker würden heute Anforderungen gestellt, die er ohne professionelle Hilfe gar nicht erfüllen könne. In Markdorf war Abberger der Schattenmann, Riedmann hatte erst nach der Wahl die Personalie offengelegt.

Mancher Bürger sprach von Manipulation. Das will Abberger so nicht stehen lassen. „Ich manipuliere niemanden, sondern sorge höchstens für etwas Make-Up, indem ich jemandes Schwächen ein wenig kaschiere und seine Stärken unterstreiche. Weiter würde ich nicht gehen.“ Ob ein Kandidat seinen Berater öffentlich mache, sei ihm selbst überlassen. Nur lügen oder leugnen dürfe er nicht. „Denn dafür wird man abgestraft.“ Einer seiner Schützlinge hatte, unerfahren und im Eifer, geschwindelt und prompt seine damals erste Wahl verloren. Er heißt Arne Zwick und ist heute Bürgermeister von Meßkirch.


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