Georg Riedmann: „Ich würde es wieder so machen“

Südkurier, 2013

Markdorf - Der Wahlsieger und künftige Bürgermeister Georg Riedmann im SÜDKURIER-Gespräch. Der künftige Rathauschef äußert sich erstmals öffentlich ausführlicher zum Thema „Bürgermeistermacher“.

„Ich würde es in jedem Fall wieder so machen“, sagt Georg Riedmann am Ende des Gespräches. In der Stunde zuvor war es um das Thema „Bürgermeistermacher“ gegangen, ein Begriff, der Riedmann nicht sehr gefällt. Der am 30. Juni gewählte künftige Markdorfer Bürgermeister spricht stattdessen von „Wahlkampfbegleiter“. Einen solchen hatte er engagiert: Klaus Abberger.

Gegenüber dem SÜDKURIER erläutert Riedmann seine Beweggründe, weshalb er dessen Dienste in Anspruch genommen hatte, und er spricht erstmals auch öffentlich darüber, wie diese Zusammenarbeit konkret abgelaufen ist. Grundsätzlich sei er überzeugt, dass jeder Kandidat „Begleitung“ brauche. Vier potenzielle Gruppen gebe es dafür: Familie, Freunde, externe Parteien respektive die Parteien vor Ort und externe persönliche Berater.

Für die Bewerbung um ein Amt in einer kleineren Stadt seien Parteien ungünstig, denn dadurch verliere man die Unabhängigkeit. „Und mir war und ist diese Unabhängigkeit ein hohes Gut“, sagt der 46-Jährige. Anders sehe es in Großstädten aus, in denen eine Kandidatur finanziell fast nur mit einer Partei im Rücken zu stemmen sei. Wichtig sei ohne Frage die Familie. Doch es gebe Themen, die man nicht mit der Familie oder mit Freunden besprechen könne, sondern bei denen man auf den externen Rat von Experten angewiesen sei.

Sein Wunsch, Bürgermeister zu werden, sei bereits im Frühjahr 2012 gereift. Seinerzeit sei er auch auf Abberger zugegangen, dessen Arbeit er aus seinem Kollegenkreis kannte. Den Wunsch, für ihn nach einer passenden Kommune zu suchen, habe er Abberger gegenüber jedoch nicht geäußert, betont Riedmann. Abberger selbst habe ihm in der Folgezeit Vorschläge für zwei Kommunen unterbreitet, darunter sei aber nichts Passendes gewesen. Erst als er im Herbst 2012 vom Rücktritt Bernd Gerbers in Markdorf erfahren habe, habe er Abberger wieder kontaktiert und in gemeinsamen Gesprächen hätte sich dann abgezeichnet, dass Markdorf und er selbst zusammenpassen könnten. Für ihn sei früh klar gewesen, dass er eine externe Beratung wolle. „Dinge wie Flyer oder eine Homepage, das kann ich nicht machen, ich bin weder Grafiker noch Web-Designer.“

Doch hilfreich war Abberger vor allem auf der strategischen Ebene: Bei der Planung und Konzeptionierung des Wahlkampfes. Mit Abberger habe er abends auf seiner Heimfahrt nochmals die Themen durchgehen können, die absolvierten Termine reflektieren und die anstehenden Tage des Wahlkampfes präzise durchplanen können. Dies, sagt Riedmann, sei ungemein hilfreich gewesen: „Natürlich habe ich auch mit meinen Freunden und meiner Familie gesprochen, aber da besteht einfach die Gefahr eines Tunnelblicks.“

Wie muss man sich nun konkret eine solche Beratung vorstellen? Gibt es etwa auch Tipps zur Kleiderwahl? Das nicht unbedingt. Als Beispiel nennt Riedmann sein 20-seitiges Themendokument, das er aus Gesprächen im Vorfeld seiner Bewerbung erarbeitet hatte. Dieses Dokument sei er akribisch mit Abberger durchgegangen. Daraus wiederum seien seine Kernthesen für die Flyer und auch das Grundgerüst seiner Rede bei der offiziellen Vorstellung entstanden. Die Rede habe er selbst geschrieben, aber mit Abbergers Unterstützung dann ausgefeilt. „Ein Berater beobachtet Dich genau, er setzt die Impulse, aber entscheiden musst Du selbst. Die Qualität einer solchen professionellen Beratung ist auch eine gnadenlose Aufrichtigkeit.“

Ein weiteres Beispiel für wertvollen Expertenrat sei der Umgang mit den Gerüchten gewesen, er werde von einem Unternehmer gefördert. Abberger habe ihm geraten, erst einmal gar nichts zu unternehmen. Sein Rat: „Erst wenn Sie dieses Gerücht von drei verschiedenen Seiten hören, bemühen Sie sich darum, dass man Sie in einer öffentlichen Veranstaltung dazu befragt, damit Sie Stellung nehmen können.“ Und: „Wenn es nicht zu einer großen Kampagne kommt, halten Sie den Ball flach.“ Mit diesen Ratschlägen sei er gut gefahren, sagt Riedmann rückblickend. Verwundert hat ihn, dass keiner der anderen Kandidaten einen Berater engagiert hatte – immerhin sei es um eine Persönlichkeitswahl gegangen.


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